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MONTEFALCO AND DER SAGRANTINO

MONTEFALCO AND DER SAGRANTINO.

 

Die heilige Wein von Montefalco

 

Die Landschaften des umbrischen Herbsts mit ihren regelmäßigen Reihen von vielfarbigen Weingärten inspirieren nicht nur den Künstler, sondern zeigen auch dem Önologe den Geschmack der Weine von Montefalco: der Herbst färbt die Reihen von Sagrantino rot, die von Sangiovese gelb und die von Merlot grün. Die besten trinkbaren, leicht pfeffrigen Trauben mit Beerenaroma, die von diesen Rebsorten erhalten werden, sind einzigartig und unwiederholbar. Es wäre unmöglich, so eine Komplexität von Aromen und Geschmäcken in einer anderen Region Italiens ­ um so mehr in einer anderen Weingebiet der Welt ­ zu reproduzieren. Wenn wir dürfen, Rebsorten mit Musiknoten vergleichen, dann ist der Klang vom Sagrantino noch ein Rätsel vielen im Gegensatz zu den uns sehr bekannten Klängen von Merlot und Sangiovese.

 

„Heiliger Festwein”

So sehr ein Wort durchdachte wird, reicht es nicht zum Erklären, was der Sagrantino einzigartig macht, der ausschließlich in fünf Gemeinden in der Gegend von Montefalco, ein im Altertum von Römer gegründetes Dorf, hergestellt wird. Es ist sein Charisma. Es ist sein Wesen. Es ist sein Mysterium. Vielleicht ist es auch seine glänzende Zukunft. Der Kultivar und die organoleptischen Eigenschaften vom Sagrantino haben keine Verbindung mit allen anderen italienischen Rebsorten. Anscheinend sollte sein Ursprung unter den Ästen des Stammbaums des georgischen Saperawi gesucht werden, der jenseits des Kaukasus wuchs, woher vielleicht einige Franziskanermönchen ihn gebracht haben dürften, die seinen hohen Zuckergehalt und auch seine außergewöhnliche Haltbarkeit schätzen könnten. Es ist unglaublich, dass einige Gesetze schon im 14. Jahrhundert in Montefalco in Kraft waren, die ähnlich dem aktuellen von den Franzosen ausgedachten Bezeichnungssystem waren und mit denen der lokale „heilige“ Wein geschützt wurde. Die Erzeuger, die keinen eigenen Weingärten besaßen aber ihre Ernte vereinten, wurden zu derselben Strafe für Diebe verurteilt und wer im 17. Jahrhundert einen fremden Weinstock schnitt, wurde mit dem Tode bestraft. All dies für einen Wein, der zu jener Zeit praktisch nicht verkauft wurde: er wurde nur bei Kirchen – und Familienfesten und von Priester getrunken, um die Kommunion zu zelebrieren. In der Tat stammt die Bezeichnung „Sagrantino“ von den zwei italienischen Wörter „sacro“ (heilig) und „sagra“ (typisches italienisches Volksfest).

 

Trocken und… süß!

Die trockenen Weine Sagrantino di Montefalco stellen eine Welle von relativer Neuheit in der lokalen Önologie dar. Einst wurden nur süße Versionen von Sagrantino hergestellt. Nach der Weinlese wurden die Trauben einige Monate lang verwelken lassen und erhielt man genau eine Variante von Likörwein.
Der Grund dieser Wahl ist einfach: die Beeren dieses Kultivars sind klein und von Natur aus bringt er keine fette Erträge. Diese Besonderheiten geben dem Sagrantino einen außergewöhnlich hohen Tanningehalt, der ist, schwer zu „erziehen“. Die im Mittelalter gefundene Lösung war, die Tannine durch das Verwelken auszugleichen, weil dieser Vorgang den Zucker konzentriert, der in den Beeren von Natur aus sind. Die so erhaltenen Weine waren meistens stark, deftig und hatten ein großes Potenzial. Mit der Zeit begannen auch trockenere Weine hergestellt zu werden, durch die es möglich ist, die außergewöhnlichen Möglichkeiten dieser einzigartigen Rebsorte zu kennen lernen. Wie der Likörwein reift auch der trockene Wein 30 Monate lang, deren 12 rigoros in Eichenfässer, deren Wahl, Alter und Fassungsraum von der Philosophie des Herstellers und von seinem Auswahlstil abhängen.
Nach den geltenden Gesetzen ist der geringste Alkoholgehalt 13% Vol. im trockenen Wein und 14,5% Vol. im Likörwein. Der trockene Sagrantino ist intensiv rubinrot, der Duft ist intensiv mit nachhaltigen Noten von Waldbeeren, Trüffel und Brombeere und am Gaumen ist er trocken und gut strukturiert und sein Geschmack ist nie derselbe. Es ist erstaunlich, wie der erste Schluck vom zweiten verschieden ist, der seinerseits unwiederholbar wie die nächsten bis dem letzten ist. Er ist ein Meister der Veränderungskunst!
Aus diesem Grund ist er vor allem als Wein für Kenner angesehen, die seinen feinen und wechselhaften Charakter schätzen können. Sicherlich ist das ein intellektueller Wein, der auf gewinnende Weise vorgestellt werden soll. Der aus sehr reifen Trauben von Sagrantino erhaltene Dessertlikörwein, die weitere zwei Monate lang verwelken lassen werden, ist leuchtend granatrot, am Gaumen ist er süß aber gut ausgewogen mit einer leicht trockenen Note im Abgang. Die Herstellung davon (2 Millionen Flaschen, deren 40% in Umbrien verkauft wird) ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein im Vergleich zur Produktion anderer Regionen Italiens. Deshalb können nicht alle Weinexperten damit prahlen, ein bisschen Sagrantino mindestens einmal wirklich probiert zu haben; die, die ihn probiert haben, müssten sicherlich seine Eigenschaften in irgendeinem Heft notiert, das jetzt wie eine Reliquie eifersüchtig gehütet wird.

 

Die Paradoxe der Sagrantino

In den letzten Jahren hat das Interesse für diese Rebsorte pusselige Untersuchungen seiner Eigenschaften verursacht. Das vielleicht am wenigsten unerwartete Ergebnis dieser Untersuchungen ist die Entdeckung seines sensationellen Gehalts an Polyphenolen. Mit anderen Worten hat der Sagrantino im Vergleich mit den 25 verbreitetesten Sorten von Rotweine eine Rekordkonzentrierung von Polyphenolen, die nicht nur die Farbe, das Aroma, den Körper und die Herbheit dem Wein verleihen, sondern sind auch wirksame antibakterielle Antioxidationsmittel. Er enthält 4174 mg/kg davon, d.h. fast doppelt so viel wie der Großteil der anderen Kultivar, die höchstens 2500 mg/kg davon haben. Beispielweise ist der Gehalt an Polyphenolen vom Cabernet Sauvignon, der als der beste Rotwein angesehen ist, zweimal niedriger als der von Sagrantino.
Der Sagrantino di Montefalco hat die Bezeichnung DOC im Jahr 1979 und die DOCG im Jahr 1992 bekommt. Jeder „reinrassiger“ Wein hebt sich durch verschiedene Eigenschaften hervor. Das Wesen vom Sagrantino ist das intensive Aroma, der starke Geschmack, der bemerkenswerte Tanningehalt, der volle Körper und der ziemlich hohe Alkoholgehalt und trotzdem man diese Merkmale in allen hochwertigen Gläsern wahrnehmen kann, sucht und findet jeder Önologe in Montefalco eine persönliche Interpretation dieser unglaublichen Rebsorte mit manchmal besonders gelungenen Ergebnissen.

 

Gastronomische Kombinationen

Trüffel ist als das ideale Essen angesehen, mit dem Sagrantino di Montefalco zu kombinieren. Sie ist die Protagonistin mehrerer lokaler Rezepte, deren Geschmack sie unterstreicht.
Dieser Wein ist perfekt mit gegrilltem Fleisch (Lamm – oder Hammelkotelette), der mit vielem leicht scharfem umbrischem Olivenöl gewürzten Kichererbsensuppe und auch mit reifen Käse (wie zwei Jahre lang gelagerter Pecorino, italienischer Schafskäse).
Passt der Likörwein Sagrantino di Montefalco gut zu Keksen, Schokolade, Rocciata (typischer umbrischer Kuchen) und denselben oben genannten reifen Käse.

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